Einbruchsserien in Zehlendorf, Vandalismus am S-Bahnhof Lichterfelde Süd, Verkehrsdelikte am Steglitzer Damm: Auch im Südwesten Berlins machen Polizeimeldungen die Runde.[7] Doch was bleibt davon übrig, wenn du dir die amtliche Statistik genau anschaust?
Ausgewertet haben wir dafür den Kriminalitätsatlas der Polizei Berlin (Stand 2025)[1] sowie die Polizeiliche Kriminalstatistik 2025[2]. Im Mittelpunkt stehen drei Fragen: Wie schneidet Steglitz-Zehlendorf gegen die elf anderen Bezirke ab, wo zwischen Lankwitz und Zehlendorf Südwest fallen die meisten Straftaten an, und wie hat sich das Bild über die Jahre verschoben?
- Die Fallzahl für Steglitz-Zehlendorf im Jahr 2025
- Ganz hinten im Ranking: Steglitz-Zehlendorf gegen die anderen Bezirke
- Welche Straftaten in Steglitz-Zehlendorf dominieren
- Schloßstraße bis Albrechtstraße: So belastet sind die Bezirksregionen
- Der Blick zurück bis 2016
- Tatverdächtige in Berlin: ein Überblick
- Kurz gefragt: Kriminalität in Steglitz-Zehlendorf
- Quellen
Die Fallzahl für Steglitz-Zehlendorf im Jahr 2025
2025 erfasste die Polizei im Bezirk 20.492 Straftaten[1]. Im Jahr 2024 standen noch 23.212 in der Statistik, das Minus beträgt somit 2.720 Fälle oder 11,7 Prozent.
Den fairen Vergleich mit anderen Bezirken erlaubt erst die Häufigkeit pro 100.000 Einwohner. In Steglitz-Zehlendorf ging sie spürbar zurück, von 7.480 (2024) auf rund 6.620 (2025). Kein anderer Berliner Bezirk kommt so niedrig heraus, im Ranking bedeutet das Platz 12 von 12.
Aufklärungsquoten für einzelne Bezirke nennt der Kriminalitätsatlas nicht. Berlinweit wurden 2025, im letzten komplett ausgewerteten PKS-Jahr, 44,9 Prozent der Fälle aufgeklärt, etwas weniger als die 45,5 Prozent von 2024.[2]
Kurz erklärt: die Häufigkeitszahl
In ihren Statistiken setzt die Polizei Berlin die Fälle ins Verhältnis zur Bevölkerung und gibt Straftaten pro 100.000 Einwohner an. So werden dicht und dünn besiedelte Gebiete, ganze Bezirke wie einzelne Kieze, miteinander vergleichbar.[4] Die nackte Fallzahl taugt dafür kaum, denn wo viele Menschen wohnen, passiert zwangsläufig mehr, obwohl das Risiko für den Einzelnen dort geringer sein kann als in einem kleinen Bezirk.
Ganz hinten im Ranking: Steglitz-Zehlendorf gegen die anderen Bezirke
Nach Straftaten pro 100.000 Einwohner sortiert, landet Steglitz-Zehlendorf 2025 auf Platz 12 von 12.[1] Das ist in diesem Fall eine gute Nachricht: Kein Bezirk ist sicherer, alle Innenstadtbezirke und das Mittelfeld melden höhere Werte.
| Platz | Bezirk | Straftaten je 100.000 Einwohner (2025) |
|---|---|---|
| 1 | Mitte | 19.921 |
| 2 | Friedrichshain-Kreuzberg | 17.879 |
| 3 | Charlottenburg-Wilmersdorf | 13.162 |
| 4 | Neukölln | 12.555 |
| 5 | Tempelhof-Schöneberg | 10.577 |
| 6 | Spandau | 9.649 |
| 7 | Lichtenberg | 9.477 |
| 8 | Reinickendorf | 8.904 |
| 9 | Marzahn-Hellersdorf | 8.351 |
| 10 | Pankow | 8.305 |
| 11 | Treptow-Köpenick | 8.063 |
| 12 | Steglitz-Zehlendorf | 6.624 |
Zum Vergleich: Mitte zählt rund 19.900, Friedrichshain-Kreuzberg rund 17.900 Straftaten auf 100.000 Menschen. Steglitz-Zehlendorf kommt mit rund 6.620 auf nur einen Bruchteil davon und steht als sicherster Bezirk der Stadt da.
Welche Straftaten in Steglitz-Zehlendorf dominieren
Den größten Block bildet in Steglitz-Zehlendorf, wie in ganz Berlin, der Diebstahl. Körperverletzungen folgen erst weit dahinter auf dem zweiten Platz, Sachbeschädigungen auf dem dritten. Die einzelnen Delikte zeigt die Übersicht:
| Delikt | Fälle 2025 | Je 100.000 Einwohner |
|---|---|---|
| Diebstahl insgesamt | 9.448 | 3.054 |
| Körperverletzung insgesamt | 1.922 | 621 |
| Sachbeschädigung | 2.460 | 795 |
| Freiheitsberaubung, Nötigung, Bedrohung, Nachstellung | 1.102 | 356 |
| Diebstahl an oder aus Kfz | 1.367 | 442 |
| Gefährliche und schwere Körperverletzung | 397 | 128 |
| Wohnraumeinbruch | 1.143 | 369 |
| Fahrraddiebstahl | 1.356 | 438 |
| Rauschgiftdelikte | 221 | 71 |
| Diebstahl von Kraftwagen | 477 | 154 |
| Branddelikte insgesamt | 228 | 74 |
| Sachbeschädigung durch Graffiti | 439 | 142 |
| Raub | 139 | 45 |
| Straßenraub, Handtaschenraub | 75 | 24 |
| Brandstiftung | 69 | 22 |
Das fällt beim genaueren Hinsehen auf:
- Diebstahl macht fast die Hälfte aus. Rund 46 Prozent der im Bezirk registrierten Straftaten sind Diebstähle, insgesamt 9.448 Fälle. Auf Autos entfallen 1.844 davon, als Summe aus Diebstahl an oder aus Kfz und Diebstahl von Kraftwagen. In Berlin werden solche Taten nur zu etwa 21 Prozent aufgeklärt.
- Weniger Körperverletzungen. 1.922 Fälle stehen 1.965 im Vorjahr gegenüber, ein Minus von 2,2 Prozent. Die Aufklärungsquote liegt stadtweit bei rund 80 Prozent, denn Täter und Opfer sind einander oft bekannt.
- Einbrüche werden häufiger. 1.143 Wohnungseinbrüche meldet der Bezirk für 2025, nach 993 im Jahr 2024 ein Anstieg um rund 15 Prozent. Berlinweit kommen Einbrecher allerdings bei etwa jedem zweiten Versuch nicht ans Ziel.
- Zehlendorf Nord und die Schloßstraße stechen heraus. Rund 29 Prozent aller Straftaten des Bezirks im Jahr 2025 fallen in diesen beiden Bezirksregionen an. Mit ihren Geschäftsstraßen und Verkehrsknoten ist das nachvollziehbar.
Schloßstraße bis Albrechtstraße: So belastet sind die Bezirksregionen
Acht Bezirksregionen bilden Steglitz-Zehlendorf, darunter Lankwitz, Drakestraße und Teltower Damm.[6] Die Polizei legt für jede davon Fallzahlen und Häufigkeitszahlen vor. Beides zusammen ergibt erst ein vollständiges Bild: Die Zahl der Fälle verrät, wo absolut am meisten los ist, die Rate je 100.000 Einwohner gleicht die unterschiedliche Einwohnerzahl aus.
| Rang | Bezirksregion | Fälle 2025 | Je 100.000 Einwohner |
|---|---|---|---|
| 1 | Schloßstraße | 2.894 | 13.109 |
| 2 | Zehlendorf Südwest | 2.065 | 7.793 |
| 3 | Zehlendorf Nord | 2.932 | 6.873 |
| 4 | Ostpreußendamm | 2.240 | 6.249 |
| 5 | Teltower Damm | 2.136 | 6.228 |
| 6 | Lankwitz | 2.551 | 5.713 |
| 7 | Drakestraße | 2.752 | 5.576 |
| 8 | Albrechtstraße | 2.519 | 4.667 |
Am stärksten belastet ist 2025 die Region Schloßstraße. 13.109 Straftaten je 100.000 Einwohner bedeuten 98 Prozent mehr als im Durchschnitt des Bezirks, also fast das Doppelte. Rund um die Einkaufsmeile treffen Geschäftsstraßen, Einkaufslagen und dichter Verkehr aufeinander, weshalb hier besonders oft Ladendiebstahl, Sachbeschädigung und Körperverletzung angezeigt werden.
Die niedrigsten Werte im Bezirk meldet Albrechtstraße: 2.519 Fälle und 4.667 Straftaten je 100.000 Einwohner.
Der Blick zurück bis 2016
Zwischen 20.492 und 25.537 Straftaten pro Jahr hat die Polizei in Steglitz-Zehlendorf während der letzten zehn Jahre gezählt. Das Maximum fällt auf 2016 mit 25.537 Fällen, das Minimum auf das jüngste Jahr 2025 mit 20.492.
Straftaten pro Jahr in Steglitz-Zehlendorf laut Kriminalitätsatlas der Polizei Berlin
Noch klarer wird der Rückgang, wenn du die Bevölkerung einrechnest. 2016 standen 8.429 Straftaten auf 100.000 Einwohner, 2025 waren es 6.624, pro Kopf also rund 21 Prozent weniger als vor knapp zehn Jahren. Mehr Menschen leben heute im Bezirk, die Unsicherheit ist dagegen nicht gewachsen.
Tatverdächtige in Berlin: ein Überblick
Diese Daten gelten für ganz Berlin
Für Tatverdächtige liefert die Polizei Berlin Zahlen nur berlinweit. Sie erscheinen jährlich im PKS-Kurzbericht und werden nicht nach Bezirken getrennt. Was folgt, bezieht sich daher auf die gesamte Stadt im Jahr 2025 und lässt sich nicht ohne Vorbehalt auf Steglitz-Zehlendorf übertragen.
Für 2025 liegt der PKS-Bericht vollständig vor. Die Polizei Berlin nennt darin 132.279 Tatverdächtige[2], gegenüber 143.534 im Jahr 2024 also 11.255 weniger. Relevant ist außerdem die Tatverdächtigenbelastungszahl, sie gibt die Tatverdächtigen je 100.000 Einwohner an und sank von 2.958 auf 2.879. Obwohl Berlin wächst, nimmt also die Zahl der Verdächtigen ebenso ab wie ihr Anteil an der Bevölkerung.
Der Anteil der Tatverdächtigen von außerhalb ist geschrumpft. Inzwischen haben 74,5 Prozent ihren Wohnsitz in Berlin, nach 69,9 Prozent im Vorjahr. Knapp mehr als ein Viertel hält sich demnach als Tourist, Pendler, Geschäftsreisender oder Reisetäter in der Stadt auf.
Verteilung nach Staatsangehörigkeit
Wenn du die ausländerrechtlichen Verstöße herausrechnest, also Delikte gegen Aufenthaltsregeln, die per Definition nur Nichtdeutsche begehen können, ergibt sich für Berlin 2025[2] diese Aufteilung:
- 56,7 Prozent der Verdächtigen besaßen einen deutschen Pass
- 43,3 Prozent hatten eine ausländische Staatsangehörigkeit (2024 waren es 43,9 Prozent)
Wie hoch der Anteil ausfällt, hängt stark vom Delikt ab. Einige schwere Deliktgruppen im Überblick:
| Deliktgruppe | Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger (2025) | Vorjahr (2024) |
|---|---|---|
| Wohnraumeinbruchdiebstahl | 75,0 % | 70,8 % |
| Raub | 55,0 % | 55,3 % |
| Widerstand und tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte | 44,3 % | 44,6 % |
| Gefährliche und schwere Körperverletzung | 44,1 % | 44,3 % |
| Straftaten gegen die persönliche Freiheit | 39,4 % | 39,2 % |
| Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung | 36,9 % | 38,4 % |
Heraus sticht vor allem der Wohnungseinbruch, bei dem 75,0 Prozent der Tatverdächtigen Nichtdeutsche sind. 56,8 Prozent von ihnen haben ihren Wohnsitz nicht in Deutschland. Seit Jahren ist bekannt, dass reisende Täter diese Deliktgruppe mehr als jede andere bestimmen.
Staatsangehörigkeit ist nicht gleich Herkunft
Die PKS hält lediglich die Staatsangehörigkeit fest. Ob jemand einen Migrationshintergrund hat, spielt für die Erfassung keine Rolle. Wer etwa in Berlin zur Welt kam und Deutscher ist, wird als deutscher Tatverdächtiger geführt, selbst wenn Eltern oder Großeltern eingewandert sind. Getrennte Werte für "Deutsche mit Migrationshintergrund" und "Deutsche ohne Migrationshintergrund" liefert die Statistik nicht.
Aufschlussreich über einen längeren Zeitraum ist die Gefangenenstatistik. Wer eine Haftstrafe verbüßt, wurde verurteilt, steht also nicht mehr bloß unter Verdacht, und Kurzbesucher wie Touristen oder Geschäftsreisende kommen darin nicht vor. Im Berliner Justizvollzug waren am 31. März 2025 rund 49 Prozent[3] der Strafgefangenen und Sicherungsverwahrten Nichtdeutsche, einschließlich Staatenloser und Personen mit ungeklärter Staatsangehörigkeit.
Diese Gruppe setzte sich so zusammen: 60 Prozent hatten eine europäische Staatsangehörigkeit, 21 Prozent eine asiatische, 12 Prozent eine afrikanische, ein Prozent eine amerikanische. Staatenlos waren sechs Prozent.
Auch hier gilt: Gezählt wird der Pass, eine Zuwanderung in der Familie bleibt unsichtbar. Eine Justizvollzugsstatistik, die bundesweit einheitlich nach Migrationshintergrund unterscheidet, gibt es nicht.
Was die Zahlen nicht leisten können
Wer mit diesen Werten argumentiert, sollte dazu stets Folgendes sagen:
- Tatverdacht bedeutet keine Schuld. In die Polizeiliche Kriminalstatistik gehen Fälle ein, sobald die Polizei ihre Ermittlungen beendet hat.[5] Über eine Verurteilung ist damit nichts entschieden, die Unschuldsvermutung gilt bis zum Richterspruch.
- "Nichtdeutsch" beschreibt die Staatsangehörigkeit und keinen Migrationshintergrund. Die Erklärung dazu steht im Abschnitt davor.
- Durchreisende, Touristen und Asylsuchende werden mitgezählt. Stiehlt ein Tourist aus Paris, Warschau oder Hamburg in einem Berliner Laden und wird erwischt, erscheint er in der hiesigen Statistik. Bei bestimmten Delikten geht ein großer Teil der nichtdeutschen Anteile darauf zurück, beim Wohnungseinbruch leben 56,8 Prozent der Tatverdächtigen nicht in Deutschland.
- Das Alter der Bevölkerung wirkt stark mit. Am häufigsten geraten statistisch junge Männer unter Tatverdacht. In Berlin sind die Einwohner ohne deutschen Pass im Durchschnitt jünger und öfter männlich als die mit deutschem Pass. Das allein hebt ihre Anteile an den Tatverdächtigen rechnerisch an, eine Aussage über einzelne Personen lässt sich daraus nicht ableiten.
- Nicht alle Opfer gehen zur Polizei. Die Bereitschaft zur Anzeige unterscheidet sich je nach Delikt, sozialem Umfeld und Wohngegend und entscheidet mit darüber, welche Taten in der Statistik landen.
Kurz gefragt: Kriminalität in Steglitz-Zehlendorf
Welche Gegend in Steglitz-Zehlendorf hat die niedrigsten Werte?
Die Bezirksregion Albrechtstraße, mit 4.667 Straftaten je 100.000 Einwohner im Jahr 2025. Auch die absolute Zahl von 2.519 Fällen ist dort die kleinste im ganzen Bezirk.
Wo ist die Belastung in Steglitz-Zehlendorf am höchsten?
In der Region Schloßstraße, die 2025 auf 13.109 Straftaten je 100.000 Einwohner kommt. Mit großem Abstand folgen Zehlendorf Südwest (7.793) und Zehlendorf Nord (6.873).
Ist Steglitz-Zehlendorf wirklich der sicherste Bezirk Berlins?
Ja, nach der Häufigkeitszahl schon. Rund 6.620 Straftaten je 100.000 Einwohner sind weit weniger als in Mitte (19.921) oder Friedrichshain-Kreuzberg (17.879). Unter den zwölf Bezirken steht Steglitz-Zehlendorf 2025 auf Platz 12 und damit am sichersten da.
Wie oft werden Straftaten in Berlin aufgeklärt?
Für Steglitz-Zehlendorf allein weist der Kriminalitätsatlas keine Aufklärungsquote aus. Stadtweit waren es 2025 44,9 Prozent, weniger als 2024 mit 45,5 Prozent. Die Spanne ist groß: Körperverletzungsdelikte werden zu rund 79 Prozent aufgeklärt, Diebstähle zu 21,1 Prozent.
Welcher Anteil der Berliner Tatverdächtigen ist nichtdeutsch?
43,3 Prozent im Jahr 2025, wenn die ausländerrechtlichen Verstöße unberücksichtigt bleiben. Ein Jahr zuvor lag der Wert bei 43,9 Prozent. Die Polizeiliche Kriminalstatistik unterscheidet dabei allein nach Staatsangehörigkeit, ein Migrationshintergrund fließt nicht ein.
Sind in Steglitz-Zehlendorf Nichtdeutsche häufiger tatverdächtig?
Darauf gibt die Statistik keine Antwort, weil der Kriminalitätsatlas Tatverdächtige nicht nach Bezirk und Staatsangehörigkeit gliedert. Die Berliner Quoten auf Steglitz-Zehlendorf zu übertragen, wäre unzulässig: Sozialstruktur, Alter der Bewohner und Zahl der Besucher sind im Südwesten andere als im Berliner Mittel.
Wie haben sich die Zahlen in Steglitz-Zehlendorf entwickelt?
Die jährlichen Fälle lagen seit 2016 zwischen rund 20.492 und 25.537. Die Rate je 100.000 Einwohner fiel von 8.429 im Jahr 2016 auf 6.624 im Jahr 2025. Bezogen auf die Einwohner ist der Bezirk also tendenziell noch etwas sicherer geworden.